Allergo-Onkologie: Neues Fachgebiet untersucht Schnittpunkte zwischen Allergie- und Krebsforschung

Dr. Silvia Nold 29. Mai 2017 0
Allergo-Onkologie: Neues Fachgebiet untersucht Schnittpunkte zwischen Allergie- und Krebsforschung

Eine neue Publikation beleuchtet den aktuellen Stand und Stellenwert eines Fachgebietes, das sich erst in den letzten Jahren entwickelt hat: Die Allergo-Onkologie. Hier werden Mechanismen im Immunsystem untersucht, die sowohl bei Allergien als auch bei der Krebsentstehung oder in der Krebstherapie eine Rolle spielen.

Was ist Allergo-Onkologie?

Das Immunsystem beeinflusst viele Bereiche unseres Körpers. Neben der Abwehr von Keimen und Parasiten ist eine überschießende Reaktion des Immunsystems auch für allergische Reaktionen verantwortlich. Die Forschung zeigte nun, dass bestimmte Immunreaktionen auch bei Krebs eine Rolle spielen. Um sich gezielt mit den Schnittstellen zwischen beiden Forschungsgebieten zu befassen, wurde als neues Fachgebiet die Allergo-Onkologie ins Leben gerufen.

Federführend war dabei die EAACI (European Academy of Allergy and Clinical Immunology), eine gemeinnützige Einrichtung, die sich mit allergischen und immunologischen Erkrankungen beschäftigt. Die EAACI wurde 1956 gegründet und ist heute Europas größter medizinischer Verband im Bereich der Allergologie und Immunologie mit 9500 Mitgliedern aus 121 Ländern.

Neue Publikation beleuchtet den Zusammenhang zwischen Allergien und Krebsforschung

Eine Task Force der EAACI beschäftigt sich seit 2014 gezielt mit dem neuen Fachgebiet Allergo-Onkologie und veröffentlichte 2017 ein Positionspapier mit einer Zusammenfassung des aktuellen Stands der Forschung. Es gibt viele Schnittstellen, die Allergie- und Krebsforschung verbinden. Dabei sind die Konzepte oft genau entgegengesetzt: Ein funktionierendes Immunsystem hilft bei der Erkennung von Krebszellen und der Verhinderung der Krebsentstehung im Körper. Bei Allergien ist ein „zu gut“ funktionierendes Immunsystem jedoch unerwünscht, da es zu allergischen Reaktionen führt.

Dadurch ergeben sich für die Forscher neue Ansätze für verschiedene medizinischen Bereiche, zum Beispiel für die Immuntherapie von Krebserkrankungen oder für die Vermeidung von Allergien gegen Krebsmedikamente. Die Aufklärung bestimmter Signalwege und der genauen Regulation und Funktion des Immunsystems kann neue Einsichten sowohl in die Entstehung von Allergien als auch von Krebs geben. Zum Beispiel spielen das IgE (ein Antikörper) und bestimmte Immunzellen (T-Helferzellen vom Typ 2 = Th2-Zellen) bei Allergien und auch bei der Krebserkrankungen eine Rolle und stehen deshalb im Fokus der Forschung bei den Allergo-Onkologen.


Schreiben Sie Ihre Meinung »

*