Atopie: Neigung zu Überempfindlichkeitsreaktionen und Allergien

Julia Maurer 14. August 2017 0
Atopie: Neigung zu Überempfindlichkeitsreaktionen und Allergien

Im Zusammenhang mit Allergien und Unverträglichkeiten tauchen auch immer wieder die Begriffe Atopie und Überempfindlichkeit auf. Doch was ist das überhaupt, und welche Zusammenhänge oder Unterschiede bestehen zwischen diesen Begriffen?

Der Wortbestandteil Topos, der in „Atopie“ steckt, ist vielen aus anderen Zusammenhängen bekannt, etwa aus den topografischen Karten oder aus der Utopie. Topos steht für Ort, das „a“ am Anfang des Wortes für ein Nichtvorhandensein. Eine Atopie ist somit wortwörtlich eine Ortlosigkeit. Das ist aber aus medizinischer Sicht erst einmal nichtssagend, und dem Laien hilft dies wenig.

Eine Atopie ist eine Überempfindlichkeit mit Allergie-Reaktionen auf harmlose Substanzen

Aus medizinischer Sicht bedeutet eine Atopie, dass jemand körperlich überempfindlich auf Substanzen reagiert, die eigentlich harmlos sind, wobei es sich bei diesen Überempfindlichkeitsreaktionen um eine allergische Reaktion handelt. Dabei werden vermehrt Immunglobulin-E-Antikörper gebildet, kurz IgE-Antikörper. Allerdings ist nicht jede Soforttyp-Allergie (Typ-I) auch eine Atopie. Während beispielsweise beim Kontaktekzem die Hautveränderungen direkt an der Berührungsstelle auftreten, treten die Symptome bei den atopischen Erkrankungen auch an anderen Körperstellen auf, sind so gesehen also „ortlos“.

Atopien sind genetisch bedingt. Die Auslösung einer Atopie kann durch Allergene erfolgen, aber auch durch Atopene, also Stoffe, die grundsätzlich kein Allergie-Potenzial aufweisen. Die genauen Zusammenhänge und Abläufe sind aber noch nicht vollständig erforscht. So fanden Wissenschaftler zwar eine Häufung atopischer Erkrankungen bei Kindern, die sich häufig von Fastfood ernähren. Damit ist jedoch noch kein ursächlicher Zusammenhang bewiesen.

Welche Erkrankungen zählen zu den Atopien?

Atopische Erkrankungen können in unterschiedlichen Formen auftreten. Zu den bekanntesten gehört das atopische Ekzem, im allgemeinen Sprachgebrauch (und fälschlich) auch als Neurodermitis bezeichnet. Weitere bekannte Formen sind die allergische Bindehautentzündung, der Heuschnupfen und das exogen allergische Bronchialasthma. Aber auch die Nesselsucht und die allergische Darmentzündung gehören zu diesem Formenkreis.

Bemerkenswert ist, dass bei Menschen mit einer Veranlagung zu einer atopischen Erkrankung bestimmte Körpermerkmale (Stigmata) gehäuft auftreten. Dazu zählen zum Beispiel die doppelte Unterlidfalte am Auge (Dennie-Morgan-Falte), die seitlich ausgedünnten Augenbrauen (Herthoge-Zeichen), trockene, juckende Haut oder trockene Kopfhaut, weißem Dermografismus und Harnknötchenflechte (Keratosis pilaris). Beim weißen Dermografismus kommt es nach einer Reizung der Haut, zum Beispiel einem Fingernagel, zu typischen weißen Streifen. Bei der Harnknötchenflechte kommt es zu einer Verhornung der Haarfollikel an bestimmten Hautpartien (Reibeisenhaut).

Die hier aufgeführten Stigmata reichen für eine eindeutige Diagnose allerdings nicht aus. So haben zwar viele Atopie-Patienten eine Dennie-Morgan-Falte, aber nicht alle, bei denen eine Dennie-Morgan-Falte vorliegt, haben auch eine atopische Erkrankung.


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